Quick 13

Dieses ursprünglich 1875 errichtete, jedoch in den 1950ern neu aufgebaute, Reihenhaus mitten im Zentrum des Wurmannsquicker Marktplatzes, verfügt über 200qm Grundstücks-, davon 170qm Nutzfläche.
Vermietet ist derzeit eine große Wohnung, die sich über das 1. und 2. Obergeschoss erstreckt. Der größte Teil des Erdgeschosses, die Ladenfläche eines ehemaligen Blumengeschäfts, ist derzeit ungenutzt.

Unser Vorhaben

Nach umfassender energetischer Sanierung, die die Erweiterung der bestehenden Heizung zu einer Zentralheizung vorsieht, wird die ehemalige Ladenfläche im Erdgeschoss zu einer barrierefreien Wohnung ausgebaut worden sein. Die Einbauten des derzeitigen Mieters (Böden, Niedrigenergieheizsystem etc.) sollen weitestmöglich erhalten werden und somit wird nicht nur dessen Lebensumfeld intakt bleiben können, sondern zudem die Lebensqualität für ihn, sowie die weiteren zukünftigen Bewohner, erhöht. Nach Gründung eines Mietervereins soll sich das Projektshaus idealerweise selbstverwalten.
Aktuell sind wir noch auf der Suche nach Interessenten für einen Einzug in dieses schmucke Kleinod. Die entstehende Wohnung würde sich bestens für Paare, oder eine Kleinfamilie eignen.

Hintergrundgeschichte

Neue Bleibeperspektiven

 

Haus verkauft, neuer Mietvertrag, Wohnung weg? Der Künstler John Bergs sah sich einer ungewissen Wohnsituation gegenüber – und fand eine innovative Lösung für ein verbreitetes Problem.

 

Von Theresa Gauer

 

Wurmannsquick. Das Wohn-Atelier von John Bergs befindet sich in einem der Marktplatzhäuser in Wurmannsquick. Bergs empfängt in seiner Küche an einen sechseckigen „Kochtisch“: Wenn Gäste kommen, kann die in der Mitte eingelassene Metallplatte mit einer Gasflamme erhitzt werden, um darauf gemeinsam zu brutzeln. Rund um den Tisch gibt es viel zu entdecken: Auf Simsen stehen kleine Statuen und Objekte, ein Kleid aus goldenen Metallplättchen glitzert hinter ihm, aus Federn und Filz ist eine Art Schirm in der Ecke aufgehängt. Ähnlich sieht es im übrigen Haus aus: Überall lagern und stehen Dinge, die noch auf ihre Bestimmung warten oder bereits zu Objekt-Kunstwerken aller Art verschmolzen sind. Der gebürtige Niederländer lebt seit den 1970er Jahren im Landkreis Rottal-Inn. Die Liebe brachte ihn damals in die Gegend. Kunst ist John Bergs‘ Berufung, aber gelebt hat er von seinem handwerklichen Geschick – bei Um- und Ausbauarbeiten oder Renovierungen.

 

Bergs hat das Marktplatzhaus vor zehn Jahren mit der Zusicherung des Vermieters, auf unbestimmte Zeit dort wohnen zu können, bezogen und mit dieser langfristigen Perspektive das alte Gebäude instandgehalten. Im vergangenen Jahr wollte der Hausbesitzer dann doch verkaufen – und John Bergs musste befürchten, ohne für ihn bezahlbaren Wohnraum dazustehen. Mit diesem Problem ist er nicht allein. Zwar trifft es – noch – meistens Menschen in Großstädten, aber ohne Wohneigentum sind gerade Einkommensschwache wie Rentner oder Arbeitslose dem hyperventilierenden Mietmarkt ausgeliefert. Wohnungswechsel bedeutet fast schon automatisch Mieterhöhung – für viele mittlerweile aufgrund der Preissteigerungen ein unerschwingliches Risiko.

 

Auch John Bergs war zunächst ratlos. Doch durch Zufall stieß er auf das SauRiassl Syndikat: Die Gesellschaft mit Sitz in Altötting entprivatisiert Häuser und überführt sie in selbstverwaltetes Wohnen. Die Bewohner dieser Immobilien bleiben zwar Mieter, sollen und können aber möglichst selbstbestimmt entscheiden, wie sie das gemeinsame Wohnen gestalten – von der Gartengestaltung über Renovierungsmaßnahmen und Raumnutzung bis hin zur Miethöhe. Die SauRiassl GmbH kümmert sich lediglich um die Verwaltung und in Absprache mit den Bewohnern um z.B. nötige Baumaßnahmen. „Diese Idee des gemeinwohlorientierten Wirtschaftens stammt vom Mietshäuser Syndikat, einer Organisation, in der deutschlandweit um die 140 Projekte selbstorganisiert sind“, erklärt David Pietzka, Geschäftsführer der SauRiassl GmbH. Das ehemalige „Connection“-Verlagshaus in Niedertaufkirchen ist das erste Projekt des SauRiassl Syndikats, Keimzelle der Idee ist aber der Altöttinger Mieter Konvent (AMK) e.V. In der Wallfahrtsstadt wird seit nunmehr zehn Jahren gemeinsam in zwei Häusern das alternative Wohnkonzept gelebt.

John ist eigentlich ein ‚klassischer‘ Fall für unser Projekt“, sagt David Pietzka, Geschäftsführer der SauRiassl GmbH. „Denn langfristig günstigen und sozialen Wohnraum zu schaffen ist eines unserer Grundanliegen, gerade auch für Menschen, die sich kein Eigentum leisten können. Wir wollen so Immobilienspekulationen etwas entgegensetzen.“ Die Häuser, die von der SauRiassl GmbH gekauft werden, können nicht mehr aus privaten Interessen Einzelner verkauft werden. Das wird durch einen zweiten Gesellschafter der GmbH gesichert, der nur zu diesem Zweck eingesetzt ist. „Im Prinzip steht ein genossenschaftlicher Grundgedanke dahinter“, definiert David Pietzka. Dass das Konzept aufgeht, beweisen die Mietshäuser Syndikats-Projekte – in Freiburg, dem Ursprung der Bewegung, gibt es allein 18 Projekte unterschiedlichster Größe, vom Studentenheim bis zum Mehrgenerationen-Wohnen, die sich mittlerweile auch aktiv an der Planung neuer Stadtviertel beteiligen. „So einen Verbund an Projekten wollten wir auch bei uns in der Region schaffen“, erklärt David Pietzka die Gründung des SauRiassl Syndikats als lokalen Ableger.

 


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